Schule und Bundeswehr

Genauso, aber anders.

Können Offiziere Pädagogen sein und erklären, wie Frieden gemacht wird? Und sind SchülerInnen dann die Rekruten von morgen? Wenn die Bundeswehr in die Schule geht, gibt es viele Standpunkte. Wir haben die Schulministerin gefragt.

Als erstes Bundesland unterzeichnete NRW 2008 die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr. Wo sehen Sie Ihre Verantwortung, wenn es um den Einfluss der Bundeswehr auf Schule und Unterricht geht?Sylvia Löhrmann: Da auch die Thematik der Friedens- und Sicherheitspolitik zur Politischen Bildung in der Schule gehört, soll Lehrkräften die Möglichkeit gegeben werden, Jugendoffiziere ebenso wie Vertreter der Friedensbewegung als Experten in den Unterricht einzuladen und zwar gleichberechtigt und gleichgewichtig. Besuche von Bundeswehrangehörigen sollen selbstverständlich nur dann stattfinden, wenn die zuständige Lehrkraft dies entscheidet. Werbung für die Bundeswehr darf in der Schule keinen Platz haben.

Ex-Verteidigungsminister Jung warb für die Kooperationsvereinbarung. Es bedürfe der „aktiven Unterrichtung unserer Bürgerinnen und Bürger, um den Sinn bewaffneter Auslandseinsätze zu vermitteln“. Wird Schule instrumentalisiert?Ziel der Politischen Bildung in der Schule ist die Mündigkeit junger Menschen. Die Politische Bildung soll bei SchülerInnen die Bereitschaft wecken und die Fähigkeit fördern, sich mit politischen Problemen auseinander zu setzen, den politischen Prozess zu verfolgen, sich an ihm zu beteiligen und Mitverantwortung zu übernehmen. Dies ist nur möglich, wenn sich SchülerInnen mit kontroversen Positionen auseinandersetzen, die dahinter stehenden Interessen in den Blick nehmen und damit das Handwerkszeug für bewusste politische Entscheidungen bekommen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat signalisiert, dass eine Kündigung der Kooperationsvereinbarung nicht in Frage komme. Was passiert stattdessen?Wir beabsichtigen, in ein Gespräch mit der Bundeswehr einzutreten, um die Kooperationsvereinbarung zu ändern und modifiziert fortzuführen. Ziel ist zu gewährleisten, dass die Kontroversen um Friedens- und Sicherheitspolitik im Unterricht gleichgewichtig und gleichberechtigt repräsentiert werden.

Sylvia Löhrmann ist Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW.

In: punktlandung 2011.1

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