Erzieherausbildung

Mehr als backe, backe Kuchen

Sie spielen und basteln, sind geborene Geschichten-ErzählerInnen und beherrschen sämtliche Kinderlieder im Schlaf. Mit solchen Klischees mussten sich ErzieherInnen lange Zeit herumschlagen. Dabei sind sie vor allem eins: pädagogische Fachkräfte für die Frühförderung von Kindern. Höchste Zeit für Anerkennung!

von E. Katharina Klaudy

Mittlerweile ist unumstritten, wie wichtig eine qualitativ hochwertige Frühförderung von Kindern ist. Trotz steigender Anforderungen und meist unzureichender Ressourcen sind es ErzieherInnen, die dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Eine Aufwertung ihres Berufs ist deshalb überfällig. „Akademisierung der Erzieherausbildung“ lautet das Stichwort: Seit mehr als 30 Jahren wird in Deutschland die Anhebung des formalen Ausbildungsniveaus auf Fachhochschul- und Hochschulniveau diskutiert und gefordert. Nicht zuletzt durch den PISA-Schock gewinnt das Qualifikationsniveau der pädagogischen Kräfte wieder an Bedeutung. Die Initialzündung für den bundesweiten Ausbau von Aus- und Weiterbildungsgängen an Hochschulen war die Initiative „Profis in Kitas (PiK)“ der Robert Bosch Stiftung. Der parallel einsetzende Bologna-Prozess zur Internationalisierung und Modularisierung des Studiums beschleunigte den Ausbau von speziellen Studiengängen zur Frühen Kindheit.

Waren es 2007 noch 24 Studiengänge, existieren heute bundesweit mehr als 50 akademische Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die in ihrer Konzeption und ihrer inhaltlichen Ausrichtung höchst unterschiedlich ausfallen. Im Gegensatz zur Fachschulausbildung mit staatlicher Anerkennung fehlen hier (noch) Standards. Neben grundständigen Hoch- und Fachhochschulbildungsgängen werden Weiterbildungsstudiengänge angeboten, die eine abgeschlossene Berufsausbildung und zum Teil auch Berufserfahrung voraussetzen. Klar ist: In der deutschen Hochschullandschaft passiert etwas und die enormen Anstrengungen für den Ausbau des Studienangebots zur Frühen Kindheit gehen weiter.

Das trifft für NRW ebenso zu, wo zunehmend auch Kooperationen zwischen Hochschulen und Fachschulen oder Berufskollegs entstehen, die gemeinsam eine gestufte Ausbildung anbieten. In Mönchengladbach etwa startete eine solche Kooperation mit dem Schuljahr 2008/09. An der Hochschule Niederrhein werden bestimmte Bestandteile der ErzieherInnenausbildung in Form von Credit Points anerkannt. Der Studiengang umfasst hier sechs Semester und wird in Kooperation mit ausgewählten Fachschulen und Berufskollegs des Umkreises angeboten. Im Sommersemester 2010 startet in Mönchengladbach der Bachelor-Studiengang „Bildung und Erziehung in der Kindheit“, der der geforderten Akademisierung der pädagogischen Fachkräfte im Bereich der Frühpädagogik Rechnung trägt.

Die Diskussion um die Professionalisierung der Elementarpädagogik konzentriert sich fast ausnahmslos auf eine Akademisierung des pädagogischen Fachpersonals. Gerade duale Modelle berücksichtigen den Einwand vieler PraktikerInnen, dass die Ausbildung zu FrühpädagogInnen auch bodenständige handlungsorientierte Inhalte erfordert. Grundsätzlich stellt sich außerdem die Frage, wie die zahlreichen Zusatzqualifikationen und Zertifikate anerkannt werden können, die ErzieherInnen seit vielen Jahren zum Teil selbstfinanziert und auch neben dem Beruf in vielen Theorie-, Handlungs- und Managementbereichen erwerben.

E. Katharina Klaudy ist Erzieherin und Diplom-Pädagogin am Institut Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen.

In: punktlandung 2010.1

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