Tarifini NRW

Traumjob Hilfskraft?

Wissenschaftliche Hilfskräfte mit (WHKs) und ohne (SHKs) Abschluss sind von den Hochschulen nicht weg zu denken. Sie pflegen Webseiten, betreuen Bibliotheken, übersetzen Paper, setzen Vorlesungsscripten usw. Diese oftmals spannenden Jobs waren aber schon immer schlecht bezahlt.

von Eva Caspers und Stefan Brackertz

 

Das hat sich in den letzten 20 Jahren stark zugespitzt: Aufgaben wie die Leitung von Übungsgruppen und das Korrigieren von Klausuren, die früher akademische Räte – Beamte mit dem Gehalt eines Schulleiters – erledigt haben, werden inzwischen fast ausschließlich durch prekär beschäftigte SHKs gemacht.

 

Die Folgen der Sparmaßnahmen

Das hat nicht nur Folgen für die Qualität der Arbeit, weil z. B. keine Kontinuität gewährleistet werden kann und selbst die engagiertesten Hilfskraft nicht die Erfahrung eines akademischen Rates hat. Vielmehr gehen die Sparmaßnahmen zu Lasten der ArbeitnehmerInnen im Wissenschaftsbetrieb so weit, dass oftmals sogar im großen Stil gegen gesetzliche Regeln verstoßen wird. So müssten ca. 40 Prozent der SHKs (die z. B. in Bibliotheken arbeiten oder Computer betreuen) eigentlich zu viel höheren Löhnen und unbefristet als nicht-wissenschaftliche Hilfskräfte angestellt werden. Auch fallen Überstunden, Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc. oft einfach unter den Tisch.

 

Hilfskräften fehlen Handlungsspielräume

Dagegen wird meist wenig unternommen, denn manche Hilfskräfte befinden sich  in einem Zwiespalt, weil ihre Vorgesetzten ihnen später die Prüfungen abnehmen. Äußerst problematisch sind zudem die kurzen Laufzeiten der Arbeitsverträge. Die Angst um das Einkommen ist lähmend. Studierende, deren Verträge teilweise nur drei Monate laufen, erleben diese Ängste jedes Semester auf's Neue. Keine Frage, dass dieser immense Druck nicht nur dem Studium schadet, sondern hauptsächlich den Menschen in solchen Anstellungsverhältnissen.

 

Tarifvertrag und Personalvertretung für alle!

Das zu ändern haben wir uns im Bündnis „Tarifini NRW“ vorgenommen. Dabei sind zahlreiche ASten und Hochschulgruppen sowie das Netzwerk Wissenschaftsnachwuchs e.V., die GEW und ver.di. Wie in Berlin brauchen wir auch in NRW einen Tarifvertrag und Personalvertretungen für alle Hilfskräfte:

  • Studierende brauchen eine Personalvertretung. Einerseits müssen sie sich an jemanden wenden können, der ihnen in Konfliktfragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Andrerseits hat es eine große Bedeutung, dass regulär und instutionalisiert ein Blick auf alle Arbeitsverhältnisse geworfen wird, damit es von Anfang an weniger Missbrauch gibt, bevor sich die Hilfskräfte offen mit ihrem Chef oder ihrer Chefin anlegen müssen, um zu ihrem Recht zu kommen.
  • Derzeit werden die Arbeitsbedingungen der Hilfskräfte einseitig und willkürlich durch die Hochschulen festgelegt. Das Ergebnis ist, dass die Löhne sehr verschieden sind, aber immer zu niedrig sind. (zwischen etwa 5 und 11 Euro pro Stunde) Vertragslaufzeiten, Arbeitsbedingungen, Urlaubsansprüche etc. erfüllen lediglich das gesetzliche Minimum, das für ArbeitnehmerInnen an Hochschulen durch gesetzliche Sonderreglungen nochmals schlechter ist als im Rest der Arbeitswelt. Dagegen brauchen wir einen Tarifvertrag.

 

Eva Caspers und Stefan Brackertz gehören zum Leitungsteam des Landesstudierendenausschusses der GEW NRW.

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