Lehrerausbildung

Auf alles vorbereitet?

Raus aus der Uni, rein ins Klassenzimmer. Das klingt nach Praxisschock, doch zum Glück gibt es auf dem Weg zum Lehrberuf eine Schonfrist: den Vorbereitungsdienst. Mit der Reform der Lehrerausbildung ändert sich einiges.

von Reinhold Schiffers

Die Umgestaltung des Vorbereitungsdienstes ist ein Baustein des ehrgeizigen Reformkonzeptes der Lehrerausbildung in NRW. Die Leitgedanken, an denen sich der Vorbereitungsdienst ab Sommer 2011 orientieren soll, formulierte das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) im Juni 2010 im „Entwurf einer Konzeption für den reformierten Vorbereitungsdienst für Lehrämter an Schulen“. Das Referendariat wird von zwei Jahren auf 18 Monate verkürzt und auch inhaltlich umgestaltet. Was ist neu am reformierten Vorbereitungsdienst? Und wie gut sind diejenigen vorbereitet, die am Vorbereitungsdienst beteiligt sind?

Das ist neu!Standard-, Wissenschafts-, Handlungs- und Personenorientierung – das sind die Faktoren, die den neuen Vorbereitungsdienst bestimmen. Was verbirgt sich dahinter? Richtungsweisend sind die von der KMK festgelegten Standards für die Lehrerausbildung und den Vorbereitungsdienst. Im Sinne einer Standardorientierung werden sie ergänzt um ein Kerncurriculum für den Vorbereitungsdienst in NRW. Im Zuge der Wissenschaftsorientierung richtet sich der Vorbereitungsdienst nach dem Stand der Bildungs- und Fachwissenschaften. Die Handlungsorientierung konkretisiert sich in den für den Lehrberuf typischen Handlungsfeldern: Unterricht gestalten, erziehen, Leistung erfassen und beurteilen, beraten, mit Heterogenität umgehen sowie kooperieren und kommunizieren im System Schule. Die Personenorientierung bringt neue Akzente in die Lehrerausbildung. Sie sieht neben der fachbezogenen und überfachlichen Beratung bewertungsfreie Beratungen durch Personen vor, die nicht an der Ausbildung beteiligt sind.

Schulen werden wichtigerDie Bedeutung der Schulen innerhalb der Lehrerausbildung wächst mit dem umgestalteten Vorbereitungsdienst. Dieser Entwicklung wird mit neuformulierten Aufgaben der Ausbildungsbeauftragten in den Schulen Rechnung getragen. In einer neu definierten Partnerschaft von Zentren für Lehrerbildung und Schulen soll durch inhaltliche, zielorientierte Abstimmung und klare Rollendefinitionen die Ausbildungsqualität gestärkt werden. Schließlich soll auch die Prüfung entsprechend der neuen Ausbildungsphilosophie verändert werden: Während die Hausarbeit wegfällt, werden die beiden Langzeitbeurteilungen durch die Schule und das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung ergänzt durch zwei Unterrichtsprüfungen sowie ein Kolloquium vor drei FremdprüferInnen.

Risikofaktor RessourcenEine Reform zu beschreiben ist das eine – sie erfolgreich umzusetzen das andere. Die erforderlichen Ressourcen für die Implementierung des anspruchsvollen Ausbildungskonzeptes sind noch nicht beschrieben. Ohne ausreichende Unterstützung wird es jedoch nicht gelingen, die Praxis zu verändern. Auch die Überlegungen zur Prüfung berück- sichtigen noch nicht, dass eine inhaltlich neu ausgerichtete Lehrerausbildung unbedingt neue Prüfungsformate erfordert, damit nicht vom Ende her – von unbefragten Prüfungstraditionen – das Gesamtkonzept torpediert wird.

Reinhold Schiffers ist Leiter des Referats D (Lehrerausbildung) der GEW NRW.

In: punktlandung 2010.2

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