Schule und Bundeswehr

Die dürfen das.

Können Offiziere Pädagogen sein und erklären, wie Frieden gemacht wird? Und sind SchülerInnen dann die Rekruten von morgen? Wenn die Bundeswehr in die Schule geht, gibt es viele Standpunkte. Wir haben die Bundeswehr gefragt.

Die Bundeswehr hat sich verändert: Die einstige Verteidigungsarmee ist heute als Interventionsarmee in Kriegsgebieten im Einsatz. Steht die Bundeswehr für Krieg? Kann sie ausgewogene Friedenserziehung leisten?Gerhard Stelz: Tatsache ist: Einsätze der Bundeswehr erfolgen unter einem Mandat der internationalen Völkergemeinschaft und des Bundestages, sind damit völkerrechtlich und demokratisch legitimiert. Die Bundeswehr steht gemäß der Mandatsbeschlüsse für alle Formen der Konfliktverhütung und Krisenbewältigung. In den Schulen geht es darum, die gesamte Bandbreite der Instrumentarien darzustellen, einschließlich der Rolle der zivilen Organisationen. Dazu sind Jugendoffiziere als Akademiker – zum Beispiel aus den Bereichen Pädagogik, Politologie oder Staatsrecht – und oft auch durch eigene Einsatzerfahrung in Krisengebieten besonders geeignet.

Die Jugendoffiziere verstehen sich als „Öffentlichkeitsarbeiter“ der Bundeswehr. Wundert es Sie, dass viele Lehrerkollegien diese (indirekte) Werbung im Unterricht ablehnen?Jugendoffiziere betreiben keine Nachwuchswerbung. Leider wird ihnen dies gewollt von Kritikern der Kooperationsvereinbarungen oder aus Unkenntnis ihrer Aufgabenstellung bisweilen unterstellt. Diese Kritiker unterstellen damit auch den Schulen und Pädagogen, die mit Jugendoffizieren zusammenarbeiten, Werbung zuzulassen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Schulleiter und Lehrkräfte die Jugendoffiziere sehr verantwortungsbewusst unter methodisch-didaktischen Gesichtspunkten in ihren Unterricht einladen. Die Tatsache, dass uns sehr viel mehr Anfragen von Schulen vorliegen als wir erfüllen können, zeigt, dass viele Schulleiter und Lehrkräfte mit der Arbeit der Jugendoffiziere zufrieden sind.

Die Bundeswehr wird durch die Kooperationsvereinbarungen zu einem „offiziellen Partner“ der Schulministerien in Sachen Friedenserziehung. Andere Organisationen haben diesen Status nicht. Ganz schön einseitig, oder?Die Bundeswehr hat in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie geht aus dem Grundgesetz hervor und ist eine staatliche Organisation, kann damit „offizieller Partner“ sein. Da wir uns zu einer kontroversen Auseinandersetzung mit Friedensstrategien bekennen, würden wir eine Beteiligung von anderen Organisationen an Schulen begrüßen, vorausgesetzt sie stehen wie wir auf dem Boden des Grundgesetzes und der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland und enthalten sich ideologischer Indoktrination. Ich sehe hier in erster Linie die Amtskirchen in friedensethischen Aspekten der Auseinandersetzung gefordert.

Gerhard Stelz ist Generalmajor und Befehlshaber im Wehrbereich II der Bundeswehr.

In: punktlandung 2011.1

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