Klassenmanagement

Störungsfrei unterrichten

Das Unterrichten und Lernen in routinierten und motivierten Klassen für beide Seiten ein äußerst befriedigender Prozess. Wie eine solche positive Unterrichtssituation zu schaffen ist, dazu bietet dieser Beitrag empirisch gesicherte Anregungen und praktische Beispiele.

von Ludger Brüning

Ohne ein Klassenmanagement, das für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Unterrichts sorgt, ist ein wirksamer Unterricht nicht möglich (Wellenreuther 2009). Und differenzierender oder gar individualisierender Unterricht lässt sich nur dann realisieren, wenn innerhalb der Klassen der Lernprozess weitgehend störungsfrei erfolgen kann (Pietsch u.a. 2009).

Vorbeugendes LehrerverhaltenEntscheidend ist das vorbeugende Lehrerverhalten während des Unterrichtsprozesses. Diesbezüglich können fünf, empirisch gesicherte Empfehlungen ausgesprochen werden:

  1. Achte auf eine hohe Präsenz.
  2. Achte auf einen reibungslosen Ablauf.
  3. Unterrichte schüleraktivierend.
  4. Vermeide Langeweile und Überforderungen.
  5. Unterrichte so, dass Deine SchülerInnen viele Könnenserfahrungen machen.

Mindestens ebenso wichtig wie das Lehrerverhalten im eigentlichen Fachunterricht ist die erzieherische Störungsvorbeugung (Brüning/Saum 2009b).

1. Regeln und Routinen einführen
Damit erfolgreiches Lernen stattfinden kann, braucht es klare Regeln, die eine ruhige Lernatmosphäre garantieren. Dazu benötigen die SchülerInnen nur ganz wenige, dafür aber zentrale Regeln.

Sinn bekommen solche Regeln für unsere SchülerInnen, wenn sie an der Festlegung beteiligt werden. Die Verbindlichkeit steigt, wenn Du den Eltern die Klassenregeln mitteilen und sie in der Klasse deutlich sichtbar aufhängst. Lass die SchülerInnen ihre Zustimmung durch eine Unterschrift auf dem Regelplakat oder einer kleinen Urkunde bekräftigen. Beziehe zukünftig alle Ermahnungen immer wieder auf die Regeln.

2. Angemessenes Verhalten einüben und konsequent einfordernWenn Du Deinen Blick rechtzeitig auf die Konsequenzen lenkst, gewinnst Du im Umgang mit Störungen Sicherheit. Aber nicht zu Unrecht betont Martin Wellenreuther (2009b), dass Lehrer, die allein die Sanktionierung unangemessenen Verhaltens in den Blick nehmen, schnell eine angespannte Stimmung in der Klasse erzeugen. Besser ist es, den persönlichen Schwerpunkt auf das Einüben des erwünschten Verhaltens zu legen.

3. Routinen einübenEbenso wichtig wie die Fähigkeit, die Regeln einhalten zu können, ist die Anbahnung von Routinen (Emmer/Evertson 2009). Routinen erleichtern das Unterrichten, da sie den SchülerInnen wie den LehrerInnen die notwendige Handlungssicherheit bieten. Aber auch Routinen wirst Du in einigen Fällen sorgsam einüben müssen.

Soziale und kommunikative Kompetenzen stärkenEs ist eine Grundbedingung störungsfreien Unterrichts, dass die SchülerInnen sich nicht gegenseitig im Lernprozess behindern. Das gilt für alle Unterrichtsformen, ganz gleich ob der Unterricht stark auf den Lehrer konzentriert, kooperativ oder eher individualisierend gestaltet wird. In schwierigen Klassen sind begleitende sozial-kommunikative Übungen unabdingbar und schaffen erst die Voraussetzungen für möglichst störungsfreien Unterricht. Ebenso bedeutsam ist der Klassenrat (s. Artikel Prüger).

Organisatorische VorbereitungenProfessionelle organisatorische Vorbereitungen helfen, die Störungsquellen zu reduzieren. Bereite Dich zum Schuljahresbeginn sorgfältig vor: Welche Unterrichtsmittel werden benötigt? Wie ist der Terminplan der ersten vier Wochen? Ist der Klassenraum freundlich und einladend gestaltet? Welche Briefe und Informationen müssen ausgegeben werden? In welche Klassen wirst Du eingesetzt? Was kannst Du über die SchülerInnen in Erfahrung bringen? (vgl. Artikel Lohmann)

Schulorganisation und -kulturGerade die organisatorische Vorbereitung des Unterrichts sollte eng mit der Schulorganisation verzahnt sein (Wellenreuther 2009). Es sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein, dass jede Schule die regelmäßigen Aufgaben zum Beispiel zum Schuljahresbeginn, vor Zeugniskonferenzen, vor Klassenfahrten systematisiert. Checklisten für die verschiedene Bereiche, Elternbriefe, Terminübersichten, kurze Informationen und Erinnerung im Sinne einer professionellen Projektsteuerung entlasten die Lehrer und ermöglichen die Hinwendung zum Unterricht.

„Schwierige“ SchülerInnenBei schwierigen SchülerInnen rufen Unterrichtsprofis ganz frühzeitig eine Helferkonferenz ein, zu der Eltern, Sozialpädagogen, Klassenlehrer und ggf. andere helfende Menschen eingeladen sind. Hier werden die Probleme offen angesprochen und Gegenmaßnahmen oder Therapien verabredet, deren Einhaltung auch eingefordert und nachgeprüft wird (Emmer/Evertson 2009).

Die eigenen Handlungsmöglichkeiten erweiternDie in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse der Unterrichtsforschung und die Praxisanregungen können dabei helfen, den eigenen Unterrichtsstil so zu verändern, dass weniger Störungen im Unterricht auftreten. Dabei ist eine sorgfältige Diagnose des Unterrichts hilfreich. Vielleicht kannst Du einmal eine/n befreundeten KollegIn in den Unterricht einladen oder Du befragst Deine SchülerInnen, zum Beispiel mit Hilfe des „Linzer Diagnosebogens zur Klassenführung“ (Mayr 2009).

Auszüge aus: Praxis Schule 4-2010

Den kompletten Text gibt es als pdf zum Download.

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