Aufklärung 2.0

Die Honigbiene als Schulprojekt

Bienen bestäuben über 70 der 100 wichtigsten Nutzpflanzen. Doch immer mehr Völker sterben. Der Verein „2010 Königinnen für das Ruhrgebiet“ unternimmt aktiv etwas dagegen – unter anderem in Kooperation mit Schulen.

Die Nachricht ist alarmierend: In manchen Teilen der Erde ging die Population der Biene inzwischen um bis zu 85 Prozent zurück. Das geht aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor.

Der Verein 2010 Königinnen für das Ruhrgebiet möchte die Anzahl der Bienenvölker im ehemaligen Kohle-Stahl-Gebiet erhöhen, indem er die Haltung auch für Laien möglich macht. Damit LehrerInnen das Thema in ihren Unterricht integrieren können, bietet der Verein Unterstützung an und arbeitet eng mit Schulen zusammen. „Schülerinnen und Schüler können die ganze Biologie am Beispiel der Bienen lernen und bearbeiten: Ökologie, Natur und Verhaltensforschung, Genetik, Physiologie, Molekular und Zellbiologie und die Besonderheiten von Bienenprodukten“, erklärt Walter Bardenheuer, Mitglied des Vereins und promovierter Biologe.

2010 Königinnen für das Ruhrgebiet unterstützt Klassen bei der eigenen Bienenpflege: beginnend bei der Anschaffung der Materialien, dem Bau eines Bienenkastens bis hin zur weiteren Erlernung der Pflege – eigener Honig für die Klasse ist dabei inklusive.

Gerade das Ruhrgebiet eignet sich für die Bienenhaltung besonders gut. „In der Stadt gibt es ganzjährig Blüten, also Futter für die Bienen“, sagt Walter Bardenheuer. Das führt dazu, dass es den Bienen in der Stadt wesentlich besser geht als denen auf dem Land. Doch nicht nur das macht das Ruhrgebiet für sie so attraktiv. „Die industrielle Intensivlandwirtschaft sorgt mit Pestizideneinsatz und Monokulturen dafür, dass die Bienen in ländlichen Gegenden phasenweise kein Futter finden“, erklärt Walter Bardenheuer.
Als Hauptfeind gilt jedoch die Varroa-Milbe. „Sie kann die Brut schädigen und Viren und Bakterien übertragen.“ Dass die Bienen sich kaum dagegen wehren können, liegt nach der Meinung des Biologen an ihrer Überzüchtung als Nutzwesen: „Dadurch verlieren sie ihre Anpassungsfähigkeit, vergleichbar mit überzüchteten Rindern, Schweinen und Hühnern.“

Die aktuelle Entwicklung wird kurz oder lang Auswirkungen auf unser Ökosystem haben, denn die Bienen bestäuben über 70 Prozent der Nutzpflanzen und gelten damit neben Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Nutztier der Erde – und das ist bedroht. „Es besteht die Gefahr, dass die Bienen aussterben“, warnt Walter Bardenheuer. „Die Prophezeiungen reichen von Bestäubung per Hand, wie es zum Teil schon in China geschieht, bis zum Aussterben der Menschheit, wie es Einstein seinerzeit voraussagte.“  

Doch die eigene Bienenhaltung ist kein Muss, um den natürlichen Entwicklungsprozess zu fördern. „Jeder selbst kann beispielsweise Blumen aussäen, die gut für die Bienen sind – im Blumenkasten auf dem Balkon oder im Garten“, sagt Walter Bardenheuer. Außerdem kann man als Pate anderen Haltern Stellflächen für Bienenstöcke zur Verfügung stellen.

Seit 2008 kümmert sich der Verein 2010 Königinnen für das Ruhrgebiet um die nachhaltige Bienenpflege. Der Name steht im Zusammenhang mit dem Kulturhauptstadtjahr 2010. Die rund 40 Mitglieder sind offen für neue Formen der Bienenhaltung. Regelmäßig finden Veranstaltungen mit und um die Biene statt.

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