Lehrerausbildung

Übung macht den Meister

Wer LehrerIn werden möchte, sollte die Nase nicht nur in Bücher stecken, sondern auch mal Schulluft schnuppern. Denn Schule funktioniert nicht wie im Lehrbuch. Das neue Lehrerausbildungsgesetz von 2009 sorgt für mehr Praxis im Studium.

von Dr. Werner Schöneck

Noch regelt die Lehramtsprüfungsordnung (LPO) von 2003 das Studium von angehenden Lehrkräften und fordert schulpraktische Erfahrungen im Umfang von etwa 14 Wochen. Das neue Lehrerausbildungsgesetz von 2009 bringt zwei wesentliche Änderungen für die Praxisphasen: Neu sind das 20-tägige Eignungspraktikum, das die Schulen bereits ab dem Schuljahr 2010/11 anbieten müssen, und das Praxissemester. Den heutigen Praxisphasen vergleichbar sind das Orientierungspraktikum und das Berufsfeldpraktikum – beide im Bachelor-Studium angesiedelt, jeweils im Umfang von vier Wochen.

Das Eignungspraktikum ist im Idealfall dem Studium vorgeschaltet, denn es soll Gelegenheit bieten, die Berufswahl zu überprüfen und umfasst deshalb auch eine „Eignungsberatung“ durch die schulischen BetreuerInnen. Nachgewiesen werden muss es allerdings erst bei der Meldung zum Vorbereitungsdienst. Kurz nach dem Abitur wieder in die Schule – das macht nur Sinn, wenn sich dieser Schulaufenthalt deutlich von den Jahren zuvor unterscheidet. Dazu kann die Vorgabe beitragen, dass das Eignungspraktikum nicht an einer Schule absolviert werden darf, die man selbst besuchte. Noch wichtiger: Was bedeutet eigentlich „Eignung zur LehrerIn“? Ausgewogene pädagogische, fachliche und soziale Kompetenzen können zu diesem Zeitpunkt von den zukünftigen LehrerInnen kaum erwartet werden. Zumindest könnten PraktikantInnen diese erste Praxisphase nutzen, um zu überprüfen, ob sie die Geduld und das Einfühlungsvermögen besitzen, die ihnen im angestrebten Beruf in einem nicht zu unterschätzenden Maße abverlangt werden. Bereits in diesem Praktikum müssen die angehenden Lehramtsstudierenden ihr „Praxis-Portfolio“ anlegen, eine Unterlagensammlung, in der auch alle folgenden Praxisphasen des Studiums dokumentiert werden.

Im zweiten oder dritten Semester des Master-Studiums ist das fünfmonatige Praxissemester verortet. Es orientiert sich am Schulhalbjahr, weil die Studierenden in dieser Phase nicht nur an vier Tagen pro Woche in die Schulen gehen, sondern sich auch durch regelmäßige Lehrübernahmen in den Unterrichtsbetrieb einordnen sollen. Das wird vor allem im Wintersemester zu Überschneidungen führen, denn während die Vorlesungszeit meist Mitte Februar endet (plus anschließende Klausurwochen), beginnt das Schulhalbjahr bereits Anfang Februar. Dennoch: Das Praxissemester gibt die Chance, die Inhalte des Studiums und die Herausforderungen der Schulwirklichkeit miteinander in Verbindung zu bringen.

Dies wird aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten gemeinsam eine konstruktive Konzeption vorlegen. Universitäten, Schulen und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (die heutigen Studienseminare) müssen Bedingungen schaffen, die es den Studierenden erlauben, die schulische Realität bei professioneller Begleitung umfassend zu erfahren und auszuwerten. „Forschend lernen“ sollte die Maxime sein. Nur nachrangig darf eine Rolle spielen, dass diese Praxisphase natürlich auch die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von vierundzwanzig auf zwölf Monate ausgleichen soll.

Dr. Werner Schöneck, Zentrum für Lehrerbildung der Uni Duisburg-Essen.

In: punktlandung 2010.1

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