nds 7/8-2011

Chancen des Schulsports

Die nds-Ausgabe 7/8 des Jahres 2011 hat den Themenschwerpunkt Schulsport. Der Schwerpunkt trägt den Titel "Chancen des Schulsports". Weitere wichtige Themen sind der Gewerkschaftstag der GEW NRW im Juni 2011 und eine Expertise, die eine Reform der Lehrerausbildung in NRW fordert.

von Günter Hoffmann

Die GEW-Sportkommission sieht bei allen Lösungsansätzen das Potenzial einer Bildungs- und Entwicklungsförderung junger Menschen im Bereich des Sports noch lange nicht ausgeschöpft. Verbesserungen können sich dadurch herstellen  lassen, dass alle an Biidungsprozessen beteiligten Institutionen auch die Bildungsressourcen von Bewegung und Sport thematisieren.
Toben macht schlau
Prof. Dr Werner Schmidt, Sportwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, hat festgestellt, dass bei optima! bewegtem Unterricht in der fünften Stunde eine dreimal höhere Aufmerksamkeit und Konzentration gegenübersitzendem Unterricht erzielt werden kann. Prof. Dr, Renate Zimmer, Universität Osnabrück, weiß schon seit langem: „Toben macht schlau." Was können wir hieraus lernen? Optimal bewegter Unterricht führt zu greifbaren Lernerfolgen und die Einführung bewegter Pausen bedingt beträchtliche Synergieeffekte in der sozialen und motorischen Entwicklung der Kinder.

Das wissen auch Schulsportverantwortliche, sie nutzen jede Gelegenheit, um den hohen Stellenwert des Schulsports medienwirksam zu publizieren. Gemessen an dem Anspruch einer optimalen Nutzung der Bildungspotentiale durch Sport stellen sich allerdings vielfach auch kritische Fragen. Beispiele: Warum fallen an den Schulen wöchentlich mindestens  40.000 Sportstunden aus? Sind Quantität und Qualität der Lehrerfortbildungen geeignet, den Ansprüchen eines zeitgemäßen Schulsports gerecht zu werden? Gibt es im schulischen und außerschulischen Sport Chancengerechtigkeit für bildungsferne Schichten? Gibt es flächendeckend nutzbare Sportstätten und Schwimmbäder?
Der Schulsport braucht "Dorfolympiaden"
Die GEW-Sportkommission NRW wird diese Themen auch künftig mit konstruktiver Kritik begleiten. Einige Vorschläge sind: Innerhalb der GEW das Thema „Bildung durch Bewegung und Sport" stärker einzubeziehen, zum Beispiel bei GEW-Bildungskongressen; die Möglichkeiten neuer Kooperationsformen zwischen Kindergarten, Schule und Sportverein nutzen; das schulische Wettkampfwesen, zum Beispiel „Jugend trainiert für Olympia", kritisch hinterfragen; im Rahmen „Kommunaler Bildungslandschaften" eine Kampagne „Familiensport" initiieren.

Die verbesserte Nutzung der Bildungspotenziale des Sports ist Thema dieses nds-Schwerpunktes. Leitfaden ist dabei die Frage nach der Chancengerechtigkeit bei der Bildungs- und Entwicklungsförderung junger Menschen durch Sport, Antworten darauf geben die Autoren in ihren Beiträgen.

Prof. Werner Schmidt belegt in seinem Aufsatz die Bedeutung von Sport, Spiel und Bewegung und die Notwendigkeit der Nachbesserung bei den institutionellen Angeboten.

Um Sport betreiben zu können, benötigen wir Sportstätten und Schwimmbäder in erreichbarer Nähe. Prof. Jürgen Schwark beleuchtet, warum die Voraussetzungen dafür zunehmend nicht erfüllt sind und entwickelt auf seiner Suche nach Lösungen neue Denkmodelle.

DSV-Präsident Michael Fahlenbock erklärt, warum „bewegter Unterricht" in der Unterrichtspraxis nur schleppend umgesetzt wird. Die Beiträge beschreiben kritisch den Ist-Stand des Schul- und Vereinssports und weisen gleichzeitig darauf hin, was der Sport zu leisten vermag. Allerdings: Positivbeispiele des Schul- und Vereinssports ergeben sich oftmals durch Initiativen aus der Sportpraxis. Aktuelle Beispiele sind das Mädchenfußball-Turnier der GEW/Uni Duisburg-Essen (vgl. nds 6/11) und das ehrenamtliche Engagement von SchülerInnen und Sportlehrkräften der Hardenbergschule Neviges (nachzulesen im Beitrag „Leuchtturmschule").

Günter Hoffmann ist Vorsitzender der Sportkommission der GEW NRW und Mitglied der GEW-Bundessportkommission.

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