Friedenspädagogik

Lernen über Frieden

Die Forderung ist klar: Bundeswehr raus aus der Schule! Aber Dagegensein allein reicht nicht, denn wie von selbst folgen neue Fragen: Wenn die Bundeswehr es nicht kann, wer dann? Und wie? Die Friedenspädagogik antwortet.

von Uli Jäger und Nadine Ritzi

Frieden ist ein zentrales ThemaMit der Debatte um die Schulbesuche der Bundeswehr und die Kooperationsvereinbarung als deren politischer Freifahrtschein wurde eine Diskussion angestoßen, die unter friedenspädagogischen Gesichtspunkten längst überfällig war: Was und vor allem wie kann an Schulen im Schatten des Afghanistankrieges über Krieg und Frieden gelernt werden? Als ein allgemein anerkannter, im Grundgesetz verankerter, zentraler Wert ist Frieden ein herausragendes Thema für die Schule. Die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Friedensgefährdungen und Sicherheitsbedrohungen einerseits und der Friedens-, Sicherheits- und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Bündnispartner andererseits ist angesichts der weltpolitischen Lage dringender als jemals zuvor. Wie können Lösungsversuche aussehen? Welche Bearbeitungsansätze gibt es? Und wer sind die Akteure?

Frieden als individuelle KompetenzEine Beschäftigung mit diesen Themen zielt jedoch nicht nur auf mehr Sachkompetenz. Gleichzeitig geht es darum, die Fähigkeiten im Umgang mit Konflikten und Gewalt im Nahbereich zu fördern und mehr Empathie für den Umgang mit emotionalen Betroffenheiten zu schaffen. Denn die Zahl der „Soldatenkinder“ und der Kriegsflüchtlinge an Schulen steigt und für viele SchülerInnen ist die Frage nach Krieg und Frieden eine essentielle Lebensfrage.

Unterstützung für LehrerInnenEs liegt in eigener Verantwortung der Schulen und insbesondere der Lehrkräfte, in welcher Form diese Themen im Unterricht und in der Schulkultur aufgegriffen werden. Es steht ihnen frei, zur Meinungsbildung der SchülerInnen VertreterInnen aller gesellschaftlich relevanten Institutionen, Organisationen und Gruppen einzuladen oder sich an deren Fortbildungen zu beteiligen. Einrichtungen wie das Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. bieten hierfür Seminare, Workshops, Lernmedien und Lernarrangements an, um sich zeitgemäß und kritisch mit der Thematik beschäftigen zu können und um zu lernen, wie man Frieden macht. Im Zentrum stehen das Erlernen von Kritik- und Reflexionsfähigkeit und die Aneignung einer ethischen Grundorientierung für ein Zusammenleben – in der eigenen Gesellschaft und global. Dafür ist die Ausbildung eigener Bewertungskriterien für politische und gesellschaftliche Diskurse und Problemlagen grundlegend.
Friedenspädagogik schafft Handlungsmöglichkeiten
Lernprozesse beinhalten demzufolge nicht nur die Auseinandersetzung mit friedens- und sicherheitspolitischen Themen und Herausforderungen. Im Sinne einer ganzheitlichen Friedenspädagogik geht es vielmehr auch um Fragen der Gewaltprävention an Schulen. Aufgabe der Friedenspädagogik muss es sein, Alternativen für ein Lernen anzubieten, das
1. den Krieg ächtet,
2. jeglicher Form von Gewalt widersteht,
3. Konflikten konstruktiv begegnet und
4. Visionen für Frieden anbietet.

In Anknüpfung daran müssen Handlungsmöglichkeiten entwickelt und erprobt werden. Dies gelingt nur, wenn Ansätze und Methoden partizipativ angelegt sind und SchülerInnen die Möglichkeit haben, Selbstwirksamkeit zu erfahren. Dann wird der Transfer auf die eigene Lebenswelt möglich. Die eigene Rolle in Konflikten, aber auch die individuelle Relevanz in Friedensfragen zu erkennen und zu hinterfragen stellt dabei eine große Herausforderung dar. Es gilt, Vorstellungen zu entwickeln von dem, „was sein soll“. Schule muss ein Lernort sein, der Wege zu Veränderungen aufzeigt und Friedenlernen ermöglicht. Ein Ort, an dem die Rekrutierung von Minderjährigen seitens der Bundeswehr nichts zu suchen hat.

Uli Jäger ist Politiloge und Ko-Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V. Nadine Ritzi ist Politik- und Erziehungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

In: punktlandung 2011.1

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