Tag der Toleranz

"Holt die Schüler ins Boot"

Inklusion, Integration und Gleichberechtigung – der Schulalltag ist geprägt von Toleranz. Das gilt nicht nur am internationalen Aktionstag. Manchmal ist das Engagement in den Schulen dafür so groß, dass es einen Titel gibt: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Simone Kaip von der Wilhelm-Busch-Realschule in Dortmund erklärt, wie sich ihre Schule diesen erarbeitete.

VON OLE ENGFELD


Die Wilhelm-Busch-Realschule ist schön gelegen. Direkt am Naturschutzgebiet Hallerey in Dortmund. Viele Bäume, ein See direkt nebenan. Keine fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. „Wir sind eine Brennpunktschule“, sagt Vertrauenslehrerin Simone Kaip trotzdem. Drogendelikte und Kriminalität prägen den Stadtteil Dorstfeld, in dem Schule ist. Ein weiteres Problem sind Rechtsextreme. „An der Bushaltestelle der Schule standen mal welche und verteilten rechtes Propagandamaterial – CDs und Flyer – an die Schülerinnen und Schüler“, erzählte Simone Kaip. Ein Bewusstsein für Toleranz insbesondere für andere Kulturen zu schaffen, ist angesichts solcher Fälle besonders wichtig. Umso glücklicher war Simone Kaip als SchülervertreterInnen an sie herantraten und vorschlugen, ihre Schule solle eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR – SmC) werden. Das ist ein bundesweites Projekt, das diesen Titelzusatz erlaubt, wenn sich Schulen gegen Rassismus einsetzen.

SchülerInnen setzen sich für mehr Toleranz einSchon zuvor hatte die Wilhelm-Busch-Realschule viel Zeit und Muße in vergleichbare Aktionen investiert, zum Beispiel durch den „Runden Tisch“, Museumsbesuche oder Erzählungen von Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg. „Es hängt immer vom Engagement der Lehrer ab“, sagt Simone Kaip. Doch diesmal kam die Initiative von der anderen Seite des Pults. „Wenn die Schule eine engagierte Schülerschaft hat, dann kann viel in Bewegung gesetzt werden“, so die Vertrauenslehrerin. Dank eigens produzierter Flyer und Infoveranstaltungen, wünschten sich schließlich 80 Prozent der Schule den am SoR-SmC-Titel. Gefordert sind nur mindestens 70 Prozent. In einem Wettbewerb kreierten die SchülerInnen „Schulkleidung“ aus Jacken und T-Shirts mit dem SoR-Emblem und einem Herzen mit zwei sich greifenden Händen, die zwanglos getragen werden kann. „Und das tun die Schülerinnen und Schüler auch regelmäßig“, sagt Simone Kaip stolz. Sie rät anderen Schulen: „Holt die Schüler mit ins Boot.“ Denn dann klappe es, selbst wenn die LehrerInnen zeitlich mal ausgelastet sind. Sie lobt die SchülervertreterInnen, die das alles an der Wilhelm-Busch-Realschule realisierten, und bedauerte im nächsten Satz, dass die meisten wegen ihres Abschlusses leider nicht mehr dort seien.
Die Vertrauenslehrerin Simone Kaip schaut aber zuversichtlich in die Zukunft, denn mit dem SoR-SmC-Titel hat die Schule langfristig Verantwortung übernommen. Dauerhaft wird sie sich mit Projekten gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Geplant sind klassenübergreifende Projektwochen, Theaterstücke und Infoveranstaltungen.

Toleranz als internationales PolitikumBisher tragen 353 Schulen in NRW den SoR-SmC-Titel. Bundesweit sind es 1.356 und fast wöchentlich werden es mehr. Wer zu diesem Netzwerk gehören möchte, muss nicht nur die Auflagen erfüllen, sondern braucht zusätzlich einen Unterstützer außerhalb der Schule, sogenannte Paten. Bei der Wilhelm-Busch-Realschule war es NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Auch um den kümmerten sich die SchülerInnen selbst. Sie haben ihn einfach direkt gefragt.
Was die Wilhelm-Busch-Realschule umgesetzt hat, soll auch international mehr Beachtung finden. Das bestätigen die Unterschriften von 185 Staaten, die am 16. November 1995 die „UNESCO-Prinzipien der Toleranz“ unterschrieben haben. Seitdem erinnert der Aktionstag jährlich an diese gesellschaftliche Aufgabe. Besonders Schulen sind hier gefordert, denn „Bildung ist das wirksamste Mittel gegen Intoleranz“, heißt es in der Erklärung der UNESCO.

 

Infomaterial als pdf zum Download.

Kommentarex schließen
Du möchtest etwas zu dem Artikel sagen? Dann los >>

No comments
Sie müssen sich anmelden, um diesen Inhalt zu nutzen.