Unterrichtsmaterial

Zum Sterben verurteilt

Die Todesstrafe ist die radikalste Maßnahme, Verbrechen zu bestrafen. Diese Methode sei „unwürdig für eine zivilisierte Gesellschaft“, sagt Amnesty International und fordert weltweit eine Abschaffung. Mit dem elften „Tag gegen die Todesstrafe“ macht sich die Menschenrechtsorganisation in Kooperation mit anderen Vereinigungen für dieses Vorhaben stark - auch in Schulen.

von Ole Engfeld

Zum diesjährigen Aktionstag kritisiert Amnesty International die englischsprachige Karibik. In Ländern wie Jamaika, Bahamas oder Trinidad und Tobago, bei denen viele an paradiesische Urlaubsdomizile denken, wird die Todesstrafe immer noch ausgesprochen. Die letzte Hinrichtung war zwar 2008, in Saint Vincent und die Grenadinen, doch in der Karibikregion sitzen derzeit fast 100 Inhaftierte in Todeszellen und warten auf die Vollstreckung. „Eine solche Erfahrung ist für die Gefangenen und ihre Angehörigen traumatisch“, sagt Amnesty International. Außerdem sei das Justizsystem fehlerhaft. So fehle es an Personal, Rechtsbeiständen, Geschworenen und Zeugenschutzprogrammen.   

Amnesty International macht SchuleDie Todesstrafe ist ein Thema, was auch in den Unterricht integriert werden kann. Amnesty International bietet dabei seine Hilfe an. Dazu diskutieren Mitglieder der Organisation mit den SchülerInnen über die Todesstrafe und erarbeiten gemeinsam Hintergrundinformationen. Im Mittelpunkt steht die aktive Auseinandersetzung mit typischen Pro- und Contra-Argumenten, wie „Die Interessen der Opfer kommen in unserem Rechtssystem zu kurz.“ oder  „Lebenslange Haft ist eine angemessene Strafe fu?r einen Mörder.“ Ergänzt wird die Diskussion mit aktuellen Beispielen, denn die Todesstrafe ist medial nicht immer präsent. Aktuell gibt es auf der Erde noch 58 Staaten, die sie trotz massiver Kritik praktizieren, unter anderem Iran, Irak, die USA und China.
Ein weiteres aktuelles Beispiel ist Japan. Hier wurde ein 73-jähriger Mitte September durch Erhängen hingerichtet. Der Angeklagte war wegen tödlicher Schüsse auf einen Restaurantbesitzer vor neun Jahren verurteilt worden. Europäische Regierungen und Menschenrechtsorganisationen protestieren auch hier nicht nur für eine Abschaffung der Todesstrafe, sondern auch gegen die unmenschlichen Haftbedingungen. So wird den Gefangenen in Japan ihr Hinrichtungsdatum erst kurz vorher genannt. Auch die hohe Zahl an zum Tode Verurteilten steht in der Kritik. In Japan war es bereits die siebte Hinrichtung seit Dezember 2012.

Vermutlich Tausende Todesurteile pro Jahr in ChinaDie Volksrepublik China behandelt Angaben zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis und veröffentlicht keine genauen Zahlen. Amnesty International geht von mehreren Tausend pro Jahr aus.
Im vergangenen Jahr sind weltweit mindestens 682 Gefangene exekutiert worden – China nicht mitgezählt. Drei Viertel davon im Iran, Irak und Saudi-Arabien. In vielen der 58 Ländern werden Ehebruch und homosexueller Geschlechtsverkehr (Iran), Gotteslästerung (Pakistan), Hexerei (Saudi-Arabien) oder Wirtschaftsdelikte (China) mit der Todesstrafe geahndet. Neben Erhängen ist Erschießen die meist angewandte Methode.
Amnesty International lehnt die Todesstrafe ab, „weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben und des Rechts, keiner grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen zu werden, darstellt“, wie es in den Statuten der Organisation steht. Zudem werden „Geständnisse“, die zur Verurteilung führen, oft durch Folter oder Misshandlung erzielt.

Interessierte LehrerInnen können sich bei Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., melden. Per Mail, Telefon 030 / 420248-0 oder Fax 030 / 420248-488.


Infomaterial von Amnesty International als pdf zum Download.

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