nds 9-2011

Ausbildungsplätze für alle!

Die nds 9-2011 wirft einen kritischen Blick auf die Ausbildungsplatzsituation in NRW und nimmt den Ausbildungskonsens unter die Lupe. Weitere Themen des Heftes sind der Schulkompromiss in NRW, die Hochschulgesetznovelle und die neuen Aufgaben der Personalräte.

von Sabine Flögel

Der Ausbildungskonsens geht ins 16. Jahr und in eine neue Runde. Erkennbar ist das einvernehmliche Bemühen unterschiedlicher Akteure aus Politik, Gewerkschaften, der Arbeitgeberseite und der Arbeitsagentur, Jugendliche fit zu machen für ein Berufsleben mit Perspektive. Erkennbar ist aber auch, dass 2011 erneut mindestens 35.000 Jugendliche beim Run auf die Ausbildungsplätze leer ausgehen werden. Und das trifft nicht nur die „marktbenachteiligten” Jugendlichen ohne Schulabschluss mit sozialpädagogischem Förderbedarf, auch der mittlere Bildungsabschluss kann zum Fehlstart geraten. Die im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien befürwortete Ausbildungsgarantie ist, so Arbeitsminister Guntram Schneider, eben doch „kein einklagbares Recht auf einen Ausbildungsplatz“, sondern soll „eine zukunftsfähige Ausbildungsperspektive“ ermöglichen.

Bis zum Herbst will die Landesregierung einen detaillierten Plan für ein effizientes Übergangssystem vorlegen. Der Themenschwerpunkt dieses Heftes befasst sich mit den erwarteten Neuerungen bei der Gestaltung des schwierigen Weges von der Schule in den Beruf. Zu Wort kommen Arbeitsminister Guntram Schneider für die Landesregierung, der Vorsitzende des DGB-Bezirks NRW, Andreas Meyer Lauber, für die generelle gewerkschaftliche Perspektive und Werner Balfer, Klemens Lüchtefeld und Dietrich Mau für die Gewerkschaft, die konkret mit der schulischen Bildung und Ausbildung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in NRW zu tun hat, die GEW.

Die Koalition will den Angebots- und Maßnahmedschungel, in dem etwa 80.000 junge Leute Warteschleifen drehen, evaluieren und lichten. Wie in Hamburg soll in NRW Berufsorientierung künftig systematisch im 8. Schuljahr ansetzen. Die Konsequenzen für die Sekundarstufe I bewertet Werner Balfer, Mitglied einer Arbeitsgruppe des Ausbildungskonsenses zur Berufsorientierung.

Einen verbindlichen Kooperationsrahmen auf regionaler Ebene, der die weitere individuelle Unterstützung der Jugendlichen strukturell absichert und die Verantwortung nicht den einzelnen Berufskollegs allein überlässt, fordert Klemens Lüchtefeld in seinem Artikel zu den Projekten „Inlab“ und „Komm-mit!“, die die Professionalisierung an den Berufskollegs unterstützen.

Dietrich Mau zieht Bilanz aus 15 Jahren Ausbildungskonsens und postuliert eine Doppelstrategie, die darauf zielt, die Zahl der studierfähigen Absolventen der allgemein bildenden Schulen zu erhöhen.

„Der Ausbildungskonsens ist daran zu messen, ob er das Recht auf Ausbildung durch eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen realisiert“, so leitet Lüchtefeld seinen Artikel ein. Die Situation auf dem dualen Ausbildungsmarkt stimmt nur äußerst verhalten optimistisch. Lediglich 35 Prozent aller ausbildungsfähigen Betriebe bilden tatsächlich aus. Zur Ausbildung zwingen, gesteht Schneider im Interview zu, kann man die Betriebe nicht. Schulische Ausbildungsangebote leiden häufig unter Akzeptanzproblemen.

Abzuwarten ist, ob die Umsetzung des Konsenses in den fünf Referenzregionen tatsächlich zu verbindlichen und zukunftsfähigen Angeboten auch für „marktbenachteiligte” Jugendliche führt. Denn, so Andreas Meyer-Lauber: „Wenn nicht genug Ausbildungsplätze angeboten werden, nützt auch der beste berufsvorbereitende Unterricht nichts.“

Sabine Flögel ist Mitglied im Fachgruppenausschuss Berufskolleg.

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