Schule und Bundeswehr

Wehrt Euch!

Können Offiziere Pädagogen sein und erklären, wie Frieden gemacht wird? Und sind SchülerInnen dann die Rekruten von morgen? Wenn die Bundeswehr in die Schule geht, gibt es viele Standpunkte. Wir haben die SchülerInnen gefragt.

Bundeswehr und Friedenserziehung – warum passt das nicht zusammen? Wie sollte Frieden in der Schule stattdessen vermittelt werden?Paula Klattenhoff: Die im § 2 Absatz 2 des Schulgesetzes verankerte Friedenserziehung sollte nicht von einer Institution in die Hand genommen werden, die für Krieg steht. Die Besuche der Jugendoffiziere an Schulen und die damit verbundene einseitige Einflussnahme auf junge Menschen verurteilen wir, da damit gegen das Gebot der Neutralität und Kontroversität verstoßen wird, das im „Beutelsbacher“ Konsens festgehalten ist. Vielmehr sollte nach den Ursachen von Konflikten und friedlichen Lösungswegen gesucht werden. Die Unterrichtsinhalte müssen sachlich und kontrovers von LehrerInnen vermittelt werden, damit die SchülerInnen zu kritischem Denken angeregt werden.

Die NRW-Landesregierung wird die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr voraussichtlich nicht kündigen, sondern einzelne Passagen überarbeiten. Stiehlt sich die Politik damit aus der Verantwortung?Die Landesregierung wird erkannt haben, dass die Vereinbarung in ihrer jetzigen Form die Neutralität der Schule gefährdet. Der Sinn einer Modifizierung erschließt sich uns nicht. Aus welchem Grund wird die Kooperationsvereinbarung noch benötigt, wenn die Landesregierung doch behauptet, dass es für keine Organisation ein Exklusivrecht geben sollte?
Selbst wenn der Bundeswehr und den Friedengruppen nach der Modifizierung der Vereinbarung gleiche Rechte eingeräumt werden, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Rechte in gleichem Umfang genutzt werden können. Die Bundeswehr finanziert ihre Unterrichtsbesuche durch öffentliche Gelder, Friedensaktivisten hingegen arbeiten ehrenamtlich.
Was können SchülerInnen (und LehrerInnen) tun, wenn sie sich gegen die Einflussnahme der Bundeswehr auf Schule und Unterricht wehren möchten?
Sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen können einen Antrag an die Schulkonferenz stellen, um zu erreichen, dass ihre Schule „bundeswehrfreie Zone” wird. Sofern sich der Besuch eines Jugendoffiziers formal nicht rückgängig machen lässt, sollten die SchülerInnen auf ihr einziges effektives Mittel zurückgreifen: den zivilen Ungehorsam. LehrerInnen fordern wir dazu auf, den Protest gemeinsam mit SchülerInnen zu organisieren.

Paula Klattenhoff gehört zum Vorstand der LandesschülerInnenvertretung NRW.

In: punktlandung 2011.1

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