Kooperatives Lernen

Frontalunterricht und Kooperation

Frontale Unterrichtsformen sind in der pädagogischen Diskussion eher verpönt, in der schulischen Wirklichkeit allerdings häufig vertreten. Wie kann Frontalunterricht so gestaltet werden, dass die SchülerInnen die vermittelten Informationen verstehen und behalten können?

von Ludger Brüning und Tobias Saum

Lernen als aktiver Prozess
Trotz vielfältig geäußerter Kritik gehören frontale Unterrichtssituationen zum Unterricht. Sie haben ihren Platz, wenn es zum Beispiel darum geht, konzentriert bestimmte Wissensinhalte zu vermitteln, in neue Themengebiete einzuführen, komplexe Zusammenhänge aufzuzeigen oder SchülerInnen ihre Ergebnisse nach einer Gruppenarbeit präsentieren zu lassen (Gudjons 2003). In der Praxis aber machen Lehrerinnen und Lehrer immer wieder die Erfahrung, dass durch Frontalunterricht kein nachhaltiges Lernen geschieht.

Sowohl die Unterrichtswissenschaft als auch die vielfältigen Rückmeldungen in unseren Fortbildungen bestätigen, dass die Lernergebnisse der SchülerInnen häufig nicht dem entsprechen, was die Unterrichtenden eigentlich erhoffen (Gudjons 2003; Weichmann 1999). Dies liegt mitunter daran, dass die SchülerInnen die vorgestellten Informationen nicht aktiv verarbeiten und mit ihren eigenen Wissensstrukturen verbinden. Sie erinnern sich deshalb im Anschluss an die frontale Lernsituation häufig nur an bestimmte Einzelheiten, erfassen den dargestellten Zusammenhang nur unzureichend oder scheitern an einer sich anschließenden Transferaufgabe. Vielleicht prüfst Du einmal, was Deine SchülerInnen im Anschluss an einen Lehrfilm noch behalten haben und – was in der Regel viel bedeutsamer ist – welche dargestellten Zusammenhänge sie zutreffend erfasst haben. Häufig sind die Ergebnisse recht ernüchternd.

Dennoch kann auch die frontale Unterrichtssituation ein Baustein im erfolgreichen Unterricht darstellen, wenn die SchülerInnen ausreichend Gelegenheit haben, die dargebotenen In- formationen zu verarbeiten (Gudjons 2003). Insofern sollte der Frontalunterricht nur eine eng umgrenzte, gezielt eingesetzte Phase im Gesamtablauf des Lehr-Lernprozesses darstellen. Denn guter Unterricht hat ganz verschiedene, deutlich abgrenzbare Elemente, zum Beispiel die Einzel-, die Partner- oder die Gruppenarbeit und eben auch den Lehrervortrag.

Integration unterschiedlicher LehrformenNach unserer Erfahrung stellt das Kooperative Lernen eine leicht zu realisierende, aber sehr wirksame Möglichkeit dar, die notwendige Verarbeitung der neuen Informationen anzuregen (Brüning/Saum 2006). Dazu wird die frontale Unterrichtssituation durch die Grundstruktur des Kooperativen Lernens ergänzt, sodass sich die SchülerInnen in einem Wechsel von Darbietung und Kooperation die Unterrichtsinhalte aneignen. Eine überschaubare frontale Unterrichtssituation wird deshalb durch die Abfolge von „Einzelarbeit – Kooperation – Präsentation“ ergänzt. Und es gibt viele Situationen, in denen ein Wechsel aus frontaler Präsentation oder Information und kooperativer Integration sehr gut möglich ist. Zwei Beispiele sind im Folgenden nur skizziert.

Fragend-entwickelndes UnterrichtsgesprächUnterbrich an geeigneter Stelle ein fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch und forder alle SchülerInnen auf zu überlegen, was bislang besprochen wurde. Gib dazu zwei Minuten Zeit, bevor sich die SchülerInnen mit ihrer/ihrem TischnachbarIn noch einmal zwei Minuten austauschen können. Fordere anschließend eine/n SchülerIn auf, die Ergebnisse aus der Partnerarbeit in der Klasse vorzustellen. Führe dann das Unterrichtsgespräch weiter.

Schülervorträge und -präsentationenWas für Lehrervorträge gilt, ist natürlich auch für den Schülervortrag bedeutsam. Denn oft präsentieren die Schülergruppen Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit nacheinander, ohne Raum zur Verarbeitung zu lassen. Das führt schließlich dazu, dass die SchülerInnen nur das behalten, was sie in ihrer eigenen Gruppe erarbeitet haben. Daher müssen die SchülerInnen lernen, immer wieder Pausen zur Verarbeitung zu lassen.

Gerade in den höheren Jahrgangsstufen stellt die Verbindung von Vortrag und Kooperativem Lernen keine große Herausforderung dar. Die Vortragenden können in der Regel recht gut die Zuhörer durch den Dreischritt »Einzelarbeit – Kooperation – Präsentation« zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Fachvortrag anregen (Brüning 2006).

Schritt für Schritt zu Kooperativem UnterrichtBeginne möglichst immer mit einer kurzen Aktivierung des Vorwissens. Ein Beispiel: Teile den SchülerInnen den Titel des Vortrags mit. Lass sie anschließend zunächst alleine darüber nachdenken, was sie jetzt erwarten oder welche Kenntnisse sie zu dem Thema schon besitzen.

In einer kurzen Austauschphase vergleichen die SchülerInnen ihre Erwartungen. Diese bilden dann die Klammer des Vortrags, denn am Ende forderst Du die SchülerInnen auf zu überlegen, ob die individuellen Erwartungen erfüllt wurden. Lass sie auch jetzt wieder zunächst alleine nachdenken, bevor sie sich mit dem Partner oder in der Kleingruppe austauschen.

Die im Plenumsgespräch vorgestellten Ergebnisse können dann der Ausgangspunkt für den weiteren Unterricht darstellen. Außerdem gilt:

  • Arbeitsaufträge für die Kooperative Phase planen
  • Verarbeitungsphasen nicht zu weit ausdehnen
  • Lerntechniken anwenden lassen
  • Die Kooperation strukturieren
  • Keine Kooperation ohne Einzelarbeit


Guter Unterricht durch Entschleunigung
Wenn Ihre SchülerInnen die Inhalte des Vortrages nicht verarbeiten und mit ihren kognitiven Wissensstrukturen verbinden, werden die neuen Informationen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits vergessen sein, bevor der Vortrag selber beendet ist.

Auszug aus: Schulmagazin 5 bis 10 9-2006

Den kompletten Text inklusive Checkliste „Lehrervortrag und Kooperatives Lernen“ gibt es als pdf zum Download.

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