Klassenmanagement

Soziale Kompetenzen erwerben

Wer von den Schülern positives Verhalten fordert, muss ihnen auch Gelegenheit geben, es zu erlernen. Das muss nicht immer in Extra-Stunden geschehen. Auch im Unterricht lassen sich Regel- und Verantwortungsbewusstsein stärken – besonders, wenn es ein schulweites Konzept gibt.

Von Ludger Brüning und Tobias Saum

Im Mittelpunkt des hier vorgestellten Konzepts zum Erwerb von sozialen Kompetenzen steht der Klassenrat. Alle SchülerInnen haben hier regelmäßig die Möglichkeit, ihre Wünsche und Vorstellungen von einem gemeinschaftlichen Klassenleben zu äußern. Gemeinsam werden Regeln aufgestellt, besprochen und Konsequenzen für ein Nichteinhalten festgelegt. Der Klassenrat gilt nicht als klasseninternes Gericht, sondern vielmehr als ein Kommunikations- und Diskussionskanal zur Förderung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Die SchülerInnen lernen sich einzubringen, auf andere einzugehen, Kompromisse zu schließen und dass es in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung geht.

Dieses Konzept sollte möglichst zu Beginn des Schuljahres bzw. wenn die Schüler neu auf die Schule kommen, umgesetzt werden (Wellenreuther 2004, S. 281).

Es besteht aus fünf Bausteinen:

1.    Regeln in der Klasse gemeinsam entwickeln
Die Regeln entwickeln die SchülerInnen selbst. Gemeinsam erarbeiten sie, welches Verhalten sie sich von ihren Mitschülern wünschen. So respektieren sie die Regeln eher, als wenn die LehrerInnen diese vorgegeben.
Oftmals kommen die SchülerInnen hierbei zu gleichen Ergebnissen und sehen, welche gemeinsamen Vorstellungen sie von einem Klassenleben haben. Die Regeln werden sichtbar auf einem Plakat in der Klasse aufgehängt.  
 
2.    Regeln thematisieren und die dafür notwendige sozialen Kompetenzen einführen und einüben
Die sozialen Kompetenzen müssen eingeübt werden. Bleiben die erstellten Regeln nur in der Klasse auf einem Plakat hängen, geraten sie schnell in Vergessenheit. Damit das nicht geschieht, sollten folgenden Schritte beachtet werden:

  1. Alle zwei Wochen wird eine Kompetenz in den Mittelpunkt gestellt.
  2. Die SchülerInnen reflektieren darüber, warum diese soziale Kompetenz wichtig ist, wenn sie dies nicht schon beim Aufstellen der Regeln, wie oben beschrieben, gemacht haben.
  3. Die SchülerInnen sammeln, was sie tun und sagen, wenn sie sich so verhalten. Alternativ kann auch das Paar „Ich höre“ – „Ich sehe“ genommen werden, aber dann beziehen sie das Verhalten nicht auf sich selbst, sondern auf andere, bei denen sie es wahrnehmen.
  4. Das Verhalten wird demonstriert.
  5. Es wird während der gesamten Zeit, ob in oder außerhalb des Unterrichts, eingeübt.
  6. Es wird reflektiert, wie gut es beherrscht wird.


3.    Den Klassenrat einführen und regelmäßig durchführen

Der Klassenrat ist ein Gremium, um die Regeln und die jeweilige Verantwortungen zu diskutieren und zu analysieren. Jeder Schüler übernimmt eine bestimmte Aufgabe, z.B. Moderator, Tafelschreiber, Protokollant etc. Der Klassenrat trifft sich regelmäßig.

4.    Übung zum sozialen Lernen durchführen

Die nächste Phase sind regelmäßige Übungen zum sozialen Lernen. Hier lernen die SchülerInnen, wie sie andere aufbauen können und wie sie Kritik üben können, ohne zu verletzen. Dabei werden Ablaufmuster von Konflikten analysiert und Handlungsalternativen erlernt. Zusätzlich werden Übungen zur Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins gemacht und der Umgang mit Gruppendruck vermittelt.

5.    Ämter in der Klasse verteilen
Jeder Schüler übernimmt eine bestimmte Aufgabe in der Klasse wie Ordnungs-, Tafel- oder Blumendienst, die er zuverlässig erledigen muss. Das steigert das Verantwortungsbewusstsein.
Außerdem werden so das Gefühl der Selbstwirksamkeit und das Selbstwertgefühl gesteigert, da die SchülerInnen ein Bewusstsein für die Arbeit in der Gemeinschaft entwickeln.
Wichtig ist jedoch, dass die Aufgaben konsequent eingefordert werden. Ist das nicht der Fall, sollte das Gegenstand des Klassenrates werden.    

Soziale Kompetenzen durch Kooperatives Lernen
Am besten lassen sich soziale Kompetenzen mit dem Kooperativen Lernen einüben. Die SchülerInnen müssen lernen, leise miteinander zu reden, sich zuzuhören und ausreden zu lassen, Hilfe anzubieten und anzunehmen. Der Blick der Klasse sollte immer wieder auf die Plakate mit den Regeln an der Wand gelenkt werden. Gruppenarbeiten sollten reflektiert werden, indem sie sich konsequent mit der Zusammenarbeit auseinandersetzen und die Erkenntnisse der Klasse präsentieren.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist das Loben. Die öffentliche Anerkennung wird langfristig das positive Verhalten stärken und viele Schüler motivieren, sich ähnlich zu verhalten.  

Nachhaltiges soziales Lernen
Voraussetzung für die Einübung und Umsetzung des Konzeptes zum Erwerb von sozialen Kompetenzen im Klassenverband ist die Bereitstellung von Unterrichtskapazitäten. Eine Stunde in der Woche sollte der Klassenrat einberufen werden können, um soziales Lernen nachhaltig zu üben.
Wichtig ist auch, dass LehrerInnen miteinander kooperieren, damit alle dieselben sozialen Kompetenzen fördern und alle dieselben Verhaltensweisen einfordern.

Zusammenfassung des Beitrags „Soziale Kompetenzen in der Klasse erwerben“ aus: Friedrich Jahresheft 2009

Den kompletten Text gibt es als pdf zum Download.


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