Schullexikon

Mitarbeitergespräch

Mitarbeitergespräche und Zielvereinbarungsgespräche sind Instrumente der Personalführung, die im Schulbereich nicht eingeführt sind.

Dennoch fordern seit einigen Jahren Schulleitungen die Lehrkräfte zu solchen Gesprächen auf, nicht selten verbunden mit dem rechtlich nicht haltbaren Verlangen, über den Inhalt dieser Gespräche Stillschweigen zu bewahren.

Wie kommt es dazu?Schulleitungen in NRW werden seit Jahren in Fortbildungen für die Führung solcher Gespräche geschult und auch angehalten, Mitarbeitergespräche an ihren Schulen zu führen. Nicht fortgebildet dagegen werden ihre MitarbeiterInnen, die LehrerInnen. Ganz anders in der übrigen Verwaltung: Hier wurden diese Gespräche vor einigen Jahren eingeführt und zwar mit der vorgeschriebenen Beteiligung der Personalräte.

Inzwischen werden auch Schulleitungen von der Schulaufsicht zu Mitarbeitergesprächen eingeladen. Die Fragen und Inhalte dieser Gespräche, in denen auch Zielvereinbarungen verlangt werden, haben eindeutig den Charakter individueller Mitarbeitergespräche. Die Einführung sowie die Regelungen zu den Inhalten und Verfahren der Mitarbeitergespräche unterliegen der Mitbestimmung der Personalräte. Das Schulministerium verweigert bis heute die höchstrichterlich bestätigte Notwendigkeit, Personalräte vor der Einführung dieses Personalführungsinstruments zu beteiligen, und will die Führung von Mitarbeitergesprächen in das Belieben der Schulleitungen stellen. Das widerspricht ebenso wie das Handeln der Schulaufsicht gegenüber den Schulleitungen den gesetzlichen Vorgaben für den Schutz der Beschäftigten durch den Personalrat.

Die GEW meintDas Mitarbeitergespräch unterscheidet sich von der Nachfrage nach dem persönlichen Befinden oder anderen dienstlichen Gesprächen zur Regelung täglicher Abläufe – grundsätzlich durch seine Zielsetzung, die Leitfaden gestützte Durchführung, die Regelhaftigkeit sowie die Dokumentation und gegebenenfalls Zielvereinbarungen, zu denen die/der einzelne Beschäftigte veranlasst wird.

Die Folgen der Gespräche für den Unterrichtseinsatz, die Zulassung beziehungsweise Nichtzulassung zu Fortbildungen oder die Unterstützung im Rahmen der weiteren beruflichen Entwicklung und vieles andere sind weder für LehrerInnen noch für Schulleitungen absehbar.

Bezüglich der Zielvereinbarungen nach der Qualitätsanalyse gilt: „Die Schule leitet aus den Ergebnissen der Qualitätsanalyse Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -verbesserung ab und stimmt diese in einer Zielvereinbarung mit der Schulaufsichtsbehörde ab und setzt sie um.“ Dieser Abstimmungsprozess und die Zielvereinbarung haben die von der Schule in ihren Gremien beschlossenen Maßnahmen zum Gegenstand, nicht aber das individuelle Verhalten und die individuellen Zielvereinbarungen mit der/dem SchulleiterIn.

Es gibt Anlass zu Misstrauen, da die Mitarbeitergespräche weiterhin geführt und geduldet werden, jedoch die Mitbestimmung verweigert wird. Gerade weil es hier um einen sehr sensiblen Bereich im dienstlichen Abhängigkeitsverhältnis der Beschäftigten zu ihren Vorgesetzten geht, sollten Ministerium und Bezirksregierungen den rechtlichen Rahmen einhalten: entweder auf die Gespräche verzichten oder den rechtlichen Rahmen mit der Interessenvertretung der Beschäftigten, dem Personalrat abstimmen.

Solange Mitarbeitergespräche im Schulbereich nicht unter Beteiligung des Personalrates eingeführt sind, gibt es keine Verpflichtung für Lehrkräfte, ein solches Gespräch zu führen.


Stand: Dezember 2012

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