Schullexikon

Arbeitszeitmodelle

Schulen dürfen Arbeitszeitmodelle erproben, die nicht auf der Bemessung nach Pflichtstunden beruhen. Grundlage eines solchen Modells ist die Jahresarbeitszeit des öffentlichen Dienstes, die aus der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit – zurzeit 41 Stunden – herzuleiten ist.

Die Arbeitszeituntersuchung aus dem Jahr 1998/1999 hat durchschnittliche Arbeitszeiten ergeben, die bereits damals in allen Schulformen weit über der 41-Stundenwoche lagen. Landtag und Schulministerium haben daraus die Konsequenz abgeleitet, dass das Problem durch eine andere Verteilung – nämlich durch unterschiedliche hohe Pflichtstunden innerhalb der einzelnen Schule – gelöst werden soll.

In Schulen wurde diskutiert, ob

  • das Pflichtstundenmodell für die Bemessung der Arbeitszeit von Lehrkräften noch geeignet ist,
  • ob durch Jahresarbeitszeitmodelle die zunehmende Aufgabenfülle über den Unterricht hinaus berücksichtigt werden kann oder
  • ob eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung und eine Erhöhung der Anrechnungsstunden das Problem lösen.

Rechtslage im ÜberblickDie Voraussetzungen für die Teilnahme an der Erprobung eines Arbeitszeitmodells sind in Abs. 12 der Verordnung zu § 93 Absatz 2 SchulG geregelt:

  • Das Schulministerium kann die Erprobung für einen begrenzten Zeitraum genehmigen.
  • Die Erfüllung aller schulischen Aufgaben im Rahmen der Stellenbesetzung muss sichergestellt sein.
  • Die Zustimmung der Lehrerkonferenz für die Erprobung muss vorliegen.
  • Mit der Genehmigung wird der Modellversuch für alle Lehrkräfte der Schule verbindlich.


Die Landesregierung forciert die Einführung von Arbeitszeitmodellen an Schulen und strebt die Beteiligung möglichst vieler Schulen an (Landtagsdrucksache 14/4013 vom 12. September 2007). Als Ziele werden hier die gerechte und transparente Arbeitsverteilung, die Akzeptanz, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit der Lehrkräfte, die effiziente und flexible Steuerung von Personalressourcen, die Verbesserung der Qualität des Unterrichts und die Vergleichbarkeit mit der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst genannt.

Mit dem Arbeitszeitmodell darf jedoch keine neue Stellenberechnung verbunden sein. Die Überprüfung durch das Schulministerium soll möglichst unbürokratisch erfolgen. Voraussetzungen sind die Zustimmung der SchulleiterInnen sowie mehrheitlich des Lehrerrates. Damit widerspricht die Landtagsdrucksache der geltenden gesetzlichen Regelung in der Verwaltungsvorschrift zu § 93 SchulG in § 12, wonach die Zustimmung der Lehrerkonferenz vorliegen muss.

Die Erfahrungen aus Hamburg mit der Einführung eines Jahresarbeitszeitmodells zeigen unter anderem folgende Probleme:

  • Maßstab für die Zeitbudgets sind vorhandene Ressourcen anstelle erforderlicher Arbeitszeiten.
  • Die zu erteilenden Pflichtstunden der Lehrkräfte sind im Durchschnitt gestiegen.
  • Jegliche Mehrarbeit wird mit Unterrichtsausfall verrechnet, es kommt zu einem Berg von nachzuarbeitenden Stunden.
  • Immer mehr Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit und gehen den Weg des persönlichen Gehaltsverzichtes, weil sie sich den gestiegenen Beanspruchungen nicht gewachsen fühlen.
  • Die hohen psychosozialen Arbeitsbelastungen von LehrerInnen werden nicht berücksichtigt.


In NRW liegen inzwischen aus einigen Schulen Erfahrungen mit der Erprobung neuer Arbeitszeitmodelle vor. Eine landesweite schulübergreifende Auswertung ist der GEW nicht bekannt. Es gibt zwar positive Rückmeldungen insbesondere aus größeren Schulen sowie Schulformen, die über ein vergleichbar höheres Kontingent an Anrechnungsstunden verfügen und in denen Schulleitungen Anrechnungsstunden aus dem Leitungsbereich weitergegeben haben, soweit Leitungsaufgaben von anderen Lehrkräften wahrgenommen wurden. Für die meisten Schulen reichen die Anrechnungsstellen bei weitem nicht aus, um alle Tätigkeitsbereiche in einem Arbeitszeitmodell zu berücksichtigen.


Stand: Dezember 2012

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